Das Sulztal erscheint erstmals im Jahre 1260 in den Urkunden des Klosters Säckingen. Bereits da gehörte es zum ältesten Klosterbesitz. Es muss sogar zum Urbesitz gehört haben. Das Kloster Säckingen hat im Jahre 1938 sein 1400jähriges Bestehen gefeiert. Als am 17. August 1272 die Stadt Säckingen bis auf wenige Gebäude abbrannte, ist wohl auch der grösste Teil des Stiftsarchivs samt allfälligen Urkunden über Sulz zugrunde gegangen.

Sulz hat in den Anfängen eigentlich nie eine weltliche Grundherrschaft auf lange Dauer erlebt. Erst im 12. Jahrhundert hat sich das Kloster Säckingen einen weltlichen Beschützer zugelegt. Zu diesem Zeitpunkt, im Jahre 1173, wurde die Kastvogtei Säckingen an den Grafen Albrecht von Habsburg übertragen. Die Aufgabe eines Klostervogtes war es, das Kloster, sein Vermögen, die Einkünfte und Rechte zu schützen. Zu diesem Klosterstaat gehörte das Sulztal als Dinghof. «Ding» hiess Volksgemeinde, die sich zum Rechtsprechen, Verurteilen oder Fertigen von Kauf, Tausch und Schenkung mehrmals im Jahre versammelte. Der königliche Kastvogt trat nur selten auf. An seiner Stelle waltete der «Meier», der sich wiederum in unbedeutenderen Sachen durch den «Keller» vertreten liess. Die Bauern des Sulztales konnten ihren «Keller» selber wählen, und darum war es gewöhnlich einer der Ihren. Wurde er den Bauern lästig, so konnten sie ihn absetzen.

Der Hof Rheinsulz nahm eine Sonderstellung ein. Er lag nicht nur geographisch ausserhalb des Tales, sondern auch rechtlich ausserhalb des Dinghofes Sulz. Er gehörte zum Hofe Mettau. Wie es dazu gekommen ist, kann vielleicht nicht mehr ergründet werden. Vermutlich hat der alte Grenzstein unterhalb von Leidikon damit einen Zusammenhang. Der Gemeinde Sulz wurde der Hof Rheinsulz erst angeschlossen, als das ganze Fricktal mit allen Säckinger Rechten und Besitzungen zum jungen Kanton Aargau kam. Die Verleserei dauerte aber viele Jahre, besonders in bezug auf den Zehnten, die Bodenzinsen, Vogtgarben und Frondienstpflichten. Der Hof Rheinsulz gibt Beispiele dafür, wie es im Laufe der Jahrhunderte vielen Dörfern erging, deren Urkunden vielleicht auf immer verloren sind.

Durch die ganze Geschichte des klösterlichen Dinghofes Sulz ist die langsame Entwicklung seiner Einwohner zu einer geschlossenen, gleichzeitig aber auch abgeschlossenen Gemeinde zu beobachten.

Erstmals wurde der Dorfgedanke in der «Deklaration» vom 23. September 1710 festgehalten, in welcher sie sich «die ganze ehrsame Gemeind Sulz» nannten. 21 Männer von Leidikon bis Obersulz haben sie unterzeichnet, als Ausschuss der Gemeinde, an der Spitze ihr eigener Landvogt. Während in anderen Tälern alte Wirtschaftseinheiten sich in mehrere politische Gemeinden auflösten, wurde das Sulztal zur politischen Einheitsgemeinde nach neuem Staatsrecht. Der letzte Vogt, Johann Weber, wurde der erste Gemeindeammann.

© Martin Schnetzler